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Eifersucht: Das Ringen um die Liebe

Jeder kennt sie, keiner mag sie: die Eifersucht. Warum sie wichtig ist und was sie über uns und unsere Beziehungen verrät
von Ingrid Kupczik, 18.09.2014

Eifersucht schmerzt – doch das Gefühl warnt uns auch

iStock/g studio

Rasend vor Eifersucht versenkt die Ehefrau das Auto ihres treulosen Gatten im Neckar. Stundenlang versteckt sich ein gehörnter Ehemann im Auto seiner Frau – bis er sie tatsächlich mit dem Nebenbuhler erwischt, herausspringt aus dem Kofferraum und den Faustkampf eröffnet. Eine junge Frau bekommt Wind vom Techtelmechtel ihres Lebensgefährten mit einer anderen. Sie geht daraufhin zur Polizei und gibt seine diversen Einbrüche und Überfälle zu Protokoll. Extreme Szenen der Eifersucht, die es in die deutschen Schlagzeilen schafften.

Das Gefühl Eifersucht kennt vermutlich jeder: eine unangenehme Empfindung, die die Sinne schärft, das Blut in Wallung bringt, die Fantasie ankurbelt. Eine Melange aus Scham, Selbstzweifeln und Hilflosigkeit, aus Wut, Trauer, Angst und Rachebedürfnis. Der Rohstoff für die schönsten Werke aus Literatur, Theater und Film. Eifersucht ist eines der Hauptmotive für Mord und Totschlag und alltäglicher Zündstoff für Zoff und Zank. Das Gefühl sprengt Grenzen, denn es lässt Menschen Dinge tun, die sie normalerweise nicht tun würden: das Jackett des Ehemannes nach Restaurantquittungen durchsuchen, den Chat des Partners checken, Intrigen spinnen.

Eifersucht – ein Warnsignal

Warum sind wir eifersüchtig? Evolutionsbiologen vermuten, dass es sich um eine angeborene Empfindung handelt. Sie sicherte seit Urzeiten der Frau und ihrem Nachwuchs die Fürsorge und die materiellen Ressourcen des Mannes. Für den Mann wiederum erhöht sie die Chance, das eigene Erbgut weiterzugeben, und verringert das Risiko, ein "Kuckuckskind" zu versorgen, lautet die Annahme.

Was steckt hinter der Eifersucht? "Es ist ein Grundgefühl und zugleich ein wichtiges Warnsignal", sagt Dr. Wolfgang Krüger, Berliner Psychotherapeut und Sachbuchautor zu diesem Thema. "Die Eifersucht meldet sich, wenn eine für uns wichtige Beziehung bedroht wird." Meist betrifft dies die Liebesbeziehung, doch auch zwischen Geschwistern, Freunden, Kollegen kann Eifersucht ins Spiel kommen. Eine amerikanische Studie zeigte, dass schon sechs Monate alte Babys eifersüchtig reagierten, wenn sich ihre Mutter mit einer Puppe beschäftigte. Selbst der Hund zeigt Anzeichen der Eifersucht, wenn Frauchen den neuen Freund mit nach Hause bringt. Seit soziale Netzwerke im Internet die Grenzen der Kontaktaufnahme erweitert haben, man Freunde "adden" und sein Leben in virtuellen Gemeinschaften verbringen kann, wird neuerdings sogar die "digitale Eifersucht" zum Problem.

Eifersucht ist unterschiedlich ausgeprägt

"Eifersucht stellt genau das in Frage, was uns am wichtigsten ist: Liebe, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Anerkennung", sagt Dr. Krüger. Das Gefühl wirkt auf die Seele wie Salzsäure auf der Haut: ätzend. DIE Eifersucht gebe es allerdings nicht, sondern eine Vielzahl an Varianten und Motivlagen. Der Experte unterscheidet grob nach Schweregrad: Die milde Form der Eifersucht flammt beispielsweise auf, wenn sich der Ehemann auf der Party intensiv mit einer attraktiven Frau unterhält. Wenn er mit leuchtenden Augen Charme versprüht, sie zum Lachen bringt. Das wurmt die Gattin, die sich zugunsten der unbekannten Schönen vernachlässigt fühlt. Aber sie bleibt handlungsfähig: Sie könnte sich zu dem Duo gesellen, sich der fremden Frau vorstellen und entscheiden, ob sie in das Gespräch einsteigt oder ihren Mann mit der Einladung zum Tanz sanft aus dem Gespräch zieht. Ihr Signal an alle Beteiligten: Er gehört zu mir. Basta.

Andauernde Besorgnis ist Kennzeichen der "mittleren Eifersucht". Bereits kleine Situationen lösen Beunruhigung aus. Telefoniert die Partnerin etwa schon wieder mit dem Kollegen? Muss der Tennistrainer meine Frau anfassen, um ihr den Schwung der Rückhand zu demonstrieren. Geht das nicht auch kontaktlos? Es sind immer wieder neue vermeintliche Verdachtsmomente, die Zweifel an der Stabilität der Beziehung säen. "Hinter dieser Variante der Eifersucht verbergen sich oft starke Selbstzweifel", erklärt Paartherapeut Krüger. Ob Aussehen, Bildung oder Ausstrahlung – der Betroffene fühlt sich der potenziellen Konkurrenz unterlegen.

Massive Eifersucht? Hilfe holen!

Eher selten, aber umso quälender ist massive, neurotische Eifersucht. Sie nährt sich aus Argwohn und Angst und liefert das Dauergefühl: Da stimmt doch etwas nicht! Jede Regung des Partners wird kontrolliert, jede noch so unbedeutende Situation auf Anzeichen von Untreue durchleuchtet. Die Ursache für dieses Verhalten liege oft in der Kindheit, sagt Dr. Krüger. "Viele Betroffene haben die Erfahrung gemacht, dass Liebe und Zuwendung nicht zuverlässig ist oder plötzlich enden kann." Typisches Beispiel: Die Aufmerksamkeit der Mutter richtet sich hauptsächlich auf das neugeborene Geschwisterchen. Das ältere Kind fühlt sich zurückgesetzt.

Klassischer Anlass für Eifersucht ist der Seitensprung. Nach der Erfahrung des Berliner Paartherapeuten Dr. Krüger gilt dies für alle Paarkonstellationen, "auch für jene, die sich zuvor einvernehmlich auf eine offene Beziehung verständigt hatten." Die Erfahrung, betrogen worden zu sein, wirkt oft lange nach. Krüger berichtet von einem Klienten, dessen langjährige Freundin mit seinem besten Freund fremdgegangen war. "In seiner neuen Beziehung hat er ständig Angst, dass sich diese Katastrophe wiederholen könnte." Wer unter starker Eifersucht leidet, sollte sich professionelle Hilfe holen.

Momente der Nähe stärken die Partnerschaft

Besonders gut gedeiht Eifersucht in Partnerschaften, wo das Bedürfnis nach Bindung unterschiedlich ausgeprägt ist. "Auslöser sind meist bindungsunwillige Männer", sagt Krüger. "Dieser Partner bleibt der Frau immer irgendwie ein Rätsel. Er redet nicht über Schwächen, er weiht sie nicht in die Geheimnisse seines Lebens ein. Sie muss sich fragen: Werde ich mit diesem Partner noch in einem Jahr zusammen sein?"

Für jede Paarbeziehung gilt: "Eifersucht wird gefördert, wenn nicht genügend Nähe vorhanden ist", sagt Dr. Krüger. Das Paar umarmt sich im Alltag kaum, Sexualität findet selten statt. Kleine Botschaften der Wertschätzung – zum Beispiel der Klebezettel auf dem Frühstückstisch mit den Worten "Ich finde dich toll" – werden seit Jahren nicht mehr gesendet, und auf die Idee, Hand in Hand über den Marktplatz zu schlendern, käme das Paar schon gar nicht. "Das Gefühl, für den Partner etwas Besonderes, nicht Auswechselbares zu sein, geht verloren", betont Krüger. Alltägliche Vernachlässigung und fortgesetzte Lieblosigkeit aber setzen den Stachel des Misstrauens. "Wenn dann der Ehemann, der sonst morgens kaum den Mund aufbekommt, plötzlich munter und voller Bewunderung von der neuen Sekretärin erzählt, schrillen bei der Frau natürlich alle Alarmglocken."

Das Selbstbewusstsein, ein liebenswerter Mensch zu sein, eine gewisse Unabhängigkeit und die Schaffung von Momenten inniger Nähe bilden einen nachhaltigen Schutz vor zerstörerischer Eifersucht. Gering dosiert, ist dieses Gefühl aber durchaus positiv, findet Psychotherapeut Dr. Krüger: "Die kleine Eifersucht ist eine Liebeserklärung."



Bildnachweis: iStock/g studio

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