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6 Tipps für die perfekte Entschuldigung

Jeder verbockt mal was. Das ist halb so schlimm, wenn man sich entschuldigt. Doch wie gelingt das am besten? Unsere Experten verraten, worauf es dabei ankommt
von Andrea Schmidt-Forth, 29.11.2016

"Es tut mir leid": Sich zu entschuldigen ist kein Zeichen von Schwäche

plainpicture GmbH & Co KG/UFO

Dass Paare sich streiten, ist normal. Dass sie sich wieder versöhnen, sollte ebenso selbstverständlich sein. Und doch fällt es vielen schwer, ein "Tut mir leid!" über die Lippen zu bringen. Schon Popstar Elton John sang vor vielen Jahren "­Sorry seems to be the hardest word". Doch warum nur?

Wer sich entschuldigt, gesteht einen Fehler ein

"Entschuldigung ist schon ein großes Wort, steckt doch das Wörtchen Schuld darin", erklärt Maria Sohr, Coach und Klärungshelferin in Augsburg. "Wenn wir unsere Schuld eingestehen, sind wir automatisch in der schwächeren Position gegenüber unserem Partner." Manchmal haben wir Schwierigkeiten damit, einen Fehler zuzugeben, weil wir uns dann inkompetent fühlen. Wir fürchten, vom Partner eins auf den Deckel zu kriegen. Oder noch schlimmer: Er könnte uns nicht mehr so lieben.

Maria Sohr ist Diplom-Sozialpädagogin und Coach in Augsburg

W&B/Privat

Dabei ist es eine große ­Chance für die Beziehung, einen Konflikt auszutragen und sich danach zu versöhnen: "So lernt man einiges über den Partner und sich selbst und kann sich als Paar weiterentwickeln", sagt Maria Sohr. Allerdings kommt es darauf an, wie man streitet. Denn nirgends ist man sich so nah und damit auch so verletzlich wie in einer Partnerschaft. Beide wissen genau, wie sie den anderen treffen können. Umso wichtiger ist die Entschuldigung gegenüber dem Menschen, den man liebt. Bleibt sie aus, besteht die Gefahr, dass die Sache weiter­schwelt und an anderer Stelle wieder zum Vorschein kommt.

Richtig entschuldigen: Auf sechs Punkte kommt es an

Wie entschuldigt man sich aber so, dass es von der Gegenseite gut akzeptiert werden kann? Zwei Forscher-Teams aus den USA untersuchten dies kürzlich. Sie fanden heraus, dass es vor allem auf sechs Dinge ankommt:

  • Anerkennen, dass man etwas falsch gemacht, den anderen verletzt oder gekränkt hat.
  • Anbieten, das Fehlverhalten wiedergutzumachen. 
  • Erklären, was falschgelaufen ist.
  • Sagen, dass es einem leidtut. 
  • Um Verzeihung bitten. 
  • Reue zeigen.

Ist die Zeit einmal zu knapp dafür oder die Gelegenheit unpassend, sollte man wenigstens die ers­ten zwei – zentralen – Punkte berücksichtigen, so die Forscher. Denn sie zeigen, dass man es nicht bei bloßen Worten belässt, sondern diesen auch Taten folgen lassen möchte.

Cornelia Doll ist Erzieherin und Gruppenleiterin im Hessingkinderhaus in Augsburg

Sandro Behrndt

Klären statt Schuld eingestehen

"Meist muss man gar nicht viel Aufhebens um die Entschuldigung machen. Schon ein Blick und eine entsprechende Geste können genügen, um dem Partner zu zeigen: ‚Ich habe es nicht so gemeint‘", sagt Maria Sohr.

Sie rät – auch wenn man derjenige ist, den das Fehlverhalten getroffen hat – von einer Klärung zu sprechen: "Setzt man sich mit dem Ziel zusammen, die Meinungsverschiedenheiten so weit wie möglich zu klären, versachlicht man den Streit. Die Chance, auf diese Art weiterzukommen, ist auf jeden Fall größer, als wenn man von vornherein auf einer Entschuldigung durch den Partner beharrt."

So­lange man wütend und aufgewühlt ist, wird es aber schwierig sein, die richtigen Worte zu finden. Das gilt auch, wenn sich der Partner zwar im Ton vergriffen hat, sich aber trotzdem nach wie vor im Recht fühlt.

Im Zweifel das Gespräch vertagen

In solchen Situationen ist es in Ordnung, das Gespräch zu ver­tagen und dem anderen zu signalisieren: "Ich habe verstanden, dass du sauer, gekränkt und verärgert bist. Aber lass uns bitte eine bessere Zeit finden, um das miteinander zu besprechen." Oder: "Ich glaube, wir kommen heute auf keinen grünen Zweig, reden wir lieber morgen in Ruhe darüber." Aus der Dis­­tanz fällt eine Aussprache meist leichter. Der Anlass für den Streit erscheint einem dann oft nur noch halb so wild. Und es ist eher möglich, sich die Position des anderen anzuhören und zu verstehen.

Der nächste Schritt: sich und dem Partner vergeben. Auch das fällt nicht immer leicht. "Die Person, die im Streit gekränkt wurde, könnte sich wie der ­Dumme dabei fühlen, aber das ist sie nicht. Sie lässt die Verantwortung beim anderen", widerlegt Maria Sohr ein altes Vorurteil. Vergeben heißt also, sich von einer Sache zu lösen. Das Miteinander wird wieder leichter.

Kinder nicht zur Entschuldigung drängen

Entschuldigungen können sich auch abnutzen, wenn man sie überstrapaziert. Deshalb sollten Eltern von ihren Kindern nicht bei jeder Gelegenheit ein "Tut mir leid" erwarten. Denn zwischen kleinen Kindern gibt es schnell mal Streit oder eine Rangelei um Spielsachen. "Bis Kinder über die nötige Einsicht verfügen, dass nicht alles ,meins‘ ist und dass sich ihr Verhalten negativ auf andere auswirken kann, dauert es bis ins Grundschul­­alter", erklärt die Erzieherin Cornelia Doll aus Augsburg. Eltern sollten Kabbeleien nicht über­bewerten, sondern in Ruhe mit dem Kind besprechen und darauf vertrauen, dass es an deren Verhalten lernt, wie und wann man sich entschuldigt.

Wichtig findet Cornelia Doll in diesem Zusammenhang, dass sich Eltern auch bei ihrem Nachwuchs entschuldigen. Sie meint: "Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern im Gegenteil von Größe, wenn Eltern ihrem Kind sagen: ,Ich habe über die Sache XY noch mal nachgedacht. Ich lag falsch, und es tut mir wirklich leid.‘" Dann haben Kinder die Chance, am Vorbild der Eltern zu lernen, dass Fehler nichts Schlimmes sind, wenn man dazu steht und versucht, diese wiedergut­zumachen.



Bildnachweis: Sandro Behrndt, W&B/Privat, plainpicture GmbH & Co KG/UFO

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