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Die Angst vor dem Arzt

Lieber krank als der erlösende Gang zum Doktor? Lieber Karies als ein Besuch beim Zahnarzt? Bevor sie einen Arzt konsultieren, ertragen viele Menschen lieber große Schmerzen
von Sandra Schmid, 17.02.2011

Kostet manchen Menschen eine große Überwindung: Ein Arztbesuch

iStock/Lilli Day

Für die meisten Menschen ist ein Arztbesuch eine normale, bisweilen erleichternde, höchstens mal eine lästige Angelegenheit. Ob Magenspieglung, Ultraschalluntersuchung oder der bloße Blick in den Hals – angenehm ist das alles nicht. Aber für den Großteil der Menschen gehört es zum erträglichen Alltag.

Für manche hingegen ist ein Kontrollbesuch beim Zahnarzt oder beim Internisten der blanke Horror. Vor allem Männer sind regelrechte "Ärzte-Meider" – Vorsorgeuntersuchungen verstreichen lassen, Kontrollbesuche umgehen, Arzttermine hinauszögern. Die Angst vor Ärzten kann viele unterschiedliche Gesichter haben: vom flauen, unsicheren Gefühl in der Magengegend bis hin zu Schweißausbrüchen und Panikattacken. Möglich sind auch Sprachlosigkeit, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl oder auch das Herunterspielen von Beschwerden.

Die innere Anspannung kann sogar soweit führen, dass der Stress eines Arztbesuches Blutdruckmessungen beeinflusst: Wird der Wert eines Betroffenen in der Praxis gemessen, ist er erhöht. Überprüft ihn der Patient zu Hause, ist er vollkommen normal. Diesen Effekt nennt man auch Weißkittelsyndrom.

Iatrophobie kann aber auch verursachen, dass sich die Betroffenen über Jahre hinweg in keine Praxis wagen. Körperliche Schmerzen oder psychische Probleme werden ertragen, da die Panik vor der Untersuchung oder den potenziellen Begleiterscheinungen und Konsequenzen (möglicher Anblick von Blut, Spritzen, Operationen, schlimme Diagnosen etc.) noch viel größer ist. Besonders ausgeprägt ist oft die Angst vor Zahnärzten, Chirurgen und Gynäkologen.

Zwei Millionen Deutsche betroffen

Laut einer Erhebung des Berufsverbandes der Allgemeinärzte leiden etwa zwei Millionen Deutsche unter einer krankhaften Angst vor dem Arzt, Iatrophobie genannt (altgriechisch iatros: Arzt, phóbos: Furcht).

Meist findet diese Beklommenheit ihren Ursprung in der Vergangenheit: Eine oder mehrere schlechte Erfahrungen mit Ärzten oder in Kliniken, falsche Diagnosen oder schmerzhafte Behandlungen können das Ärzte-Grausen auslösen. Oft sind die Ursachen für eine derartige Furchtsamkeit aber auch bereits in der Kindheit zu suchen. Dr. Amin Aschour, Allgemeinarzt und Schularzt an der HTL (Höhere Technische Lehranstalt) in Wien, erklärt: "Es gibt kaum ein Kind, das beim Arztbesuch Freude strahlend die Praxis betritt. Denn der erste Kontakt den kleine Kinder mit Ärzten haben ist meistens dann, wenn sie ihre Impfungen bekommen. Und das ist kein positiver erster Eindruck."

Untersuchung ohne Zwang

Wichtig sei es deswegen, so Aschour, bei den ersten Besuchen so umsichtig wie möglich mit den Kleinen umzugehen. "Ich benutze zu Beginn grundsätzlich keinen Spatel, keine Spritze oder irgendetwas, das weh tut." Um eine zukünftige Angst vor Ärzten zu vermeiden, empfiehlt er den Eltern außerdem, ihre Kinder nicht unbedingt das erste Mal bei einer akuten Krankheit mit in die Praxis nehmen, sondern schon vorher – wenn sie gesund sind. "Das nimmt ihnen die Angst und die Kinder haben die Möglichkeit ohne Zwang oder belastende Untersuchung sich alles einmal anzuschauen und den Doktor kennen zu lernen."

Bei Erwachsenen, die Angst vor dem Arzt haben, ist die Situation ungleich komplizierter und schwieriger. "Kinder, die Angst vor dem Arzt haben, werden wohl oder übel von den Eltern in die Praxis geschleppt. Erwachsene hingegen, die unter Iatrophobie leiden, kommen einfach nicht", sagt Aschour. Hier sei bereits die Schwelle das Problem. In solchen Fällen hilft eigentlich nur therapeutische Hilfe. In der Psychotherapie haben sich vor allem Verhaltens- beziehungsweise Konfrontationstherapien bei der Behandlung von schweren Phobien bewährt. Was aber schon wieder das nächste Problem darstellt – denn: der Therapeut ist ja auch ein Arzt. Und einen Iatrophobiker in die Psychotherapie zu bekommen, kann ein wahrhaft schwieriges Unterfangen sein.

Beruhigungsmittel als Ausweg

Bei wirklich akuten Krankheitsfällen und unbedingt notwendigen Arzt- oder Klinikbesuchen kann man bei manchen Iatrophobikern nur auf Beruhigungsmittel zurückgreifen, aber auch Hypnose oder Akupunktur haben sich bewährt.

Für Dr. Amin Aschour ist es deswegen besonders wichtig, dass man die Angstschwelle bei den Betroffenen extrem niedrig hält. "Viele Menschen mit diesen Ängsten, gehen oftmals noch zu ihren Kinderärzten. Da gibt es weniger Unsicherheitsfaktoren, keine Überraschungen und eine gewohnte Umgebung. Natürlich ist der Besuch beim Kinderarzt nicht optimal", so Aschour, "aber es ist wenigstens eine ärztliche Untersuchung. Wichtig ist für diese Menschen, Vertrauen aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Wenn es über diesen niederschwelligen Weg geht, dann ist das auf jeden Fall der bessere Weg als Rat in diversen Internet-Foren zu finden. Diese können nämlich die Ängste bisweilen noch verstärken."



Bildnachweis: iStock/Lilli Day

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