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Hilfe, ich bin ein Mobbing-Opfer!

Hat der Kollege nur schlechte Laune oder greift er mich persönlich an? Wie Sie Mobbing frühzeitig erkennen und was Sie tun können, um aus dem Psychoterror wieder heil herauszukommen
von Bastian Fersch, aktualisiert am 03.02.2014

Mobbing am Arbeitsplatz ist für das Opfer schwer zu ertragen

Thinkstock/iStockphoto

In Deutschland werden rund 1,5 Millionen Erwachsene "gemobbt" – doch was ist das überhaupt: Mobbing? Dieter Schlund, Diplom-Pädagoge, Organisationsberater, Coach und Mobbingexperte aus München erklärt das so: "Ein Mobber schikaniert seine Opfer über einen längeren Zeitraum, um sie zu demütigen oder auszugrenzen". Viele geraten in einen Strudel aus Lästereien, Anschuldigungen und Bloßstellungen. Oft enden die Attacken mit einer Kündigung – manche führen bis hin zum Suizid.

Ist es wirklich Mobbing?

Problematisch ist, dass Mobbing zu Beginn meist sehr subtil abläuft. Den Betroffenen fällt es in der Regel schwer zu unterscheiden, ob ihr Gegenüber etwa nur schlecht gelaunt ist oder sie gezielt angreift. Oft vergehen Wochen, bis sie erkennen, dass sie tatsächlich Opfer von Mobbing geworden sind. Dieter Schlund hält sich hierbei an die 45 typischen Mobbinghandlungen nach Professor Dr. Leymann, der als Pionier der Mobbingforschung gilt. Zu den wichtigsten Mobbing-Erfahrungen gehören:

1. Ich werde wie Luft behandelt.

2. Kompetenzen werden mir entzogen.

3. Gerüchte werden über mich verbreitet.

4. Ich werde lächerlich gemacht oder bloßgestellt.

5. Ich erhalte keine Arbeit mehr.

6. Ich werde aus sozialen Aktivitäten ausgegrenzt.

Eine dieser Erfahrungen über einen längeren Zeitraum reicht bereits aus, um von Mobbing sprechen zu können. "Wichtig ist zu prüfen: Werden diese Handlungen nur an mir ausgeübt oder auch an anderen Kollegen?", erklärt der Mobbingexperte. Sprechen Sie auch mit einem vertrauten Kollegen oder mit Angehörigen, um eine objektive Sicht zu bewahren.

Warum trifft es ausgerechnet mich?

Mobbing kann jeden treffen. Menschen, die gemobbt werden, sind weder übersensibel, noch sind sie besonders schwache oder faule Mitarbeiter – im Gegenteil: "Oft sind sie klüger, attraktiver oder haben bessere Chancen im Unternehmen und erwecken deshalb den Neid ihrer Kollegen", so Schlund. Untersuchungen zeigen, dass Mobbing-Opfer meist gut ausgebildet sind und gerne arbeiten. Sicher trifft es auch Menschen, die sich einfach nicht so gut wehren können. Gemobbt wird in den meisten Fällen aber vielmehr aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz und nicht etwa aus Boshaftigkeit.

Wie komme ich da heil wieder heraus?

Viele Mobbing-Opfer rutschen immer tiefer in einen Sumpf aus Hilflosigkeit und Ohnmacht. Im Extremfall zerbrechen sie an den Schikanen ihrer Kollegen. Lassen Sie das nicht zu und werden Sie aktiv! Suchen Sie sich Menschen, die Ihnen beistehen! Für die persönliche Verarbeitung unterscheidet Dieter Schlund zwischen einer schnellen und einer erweiterten Hilfe:

Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen Mobbing:

  • Halten Sie Abstand zum Angreifer!
  • Verlassen Sie das Konfliktfeld!
  • Lassen Sie sich nicht provozieren!
  • Überlegen Sie gut, wem Sie etwas Privates anvertrauen!
  • Schützen Sie Ihren wunden Punkt!
  • Aktivieren Sie soziale Netzwerke (Freunde, Eltern und Angehörige)!

Erweiterte Hilfe gegen Mobbing:

  • Suchen Sie Ausgleich und Entspannung! Mobbing ist Stress – laden Sie Ihre Akkus wieder auf!
  • Führen Sie ein Tagebuch über die Ereignisse: Was ist passiert? Wer war dabei? Wie haben Sie selbst dabei reagiert?
  • Erkundigen Sie sich nach Mobbing-Selbsthilfegruppen!
  • Suchen Sie Hilfe beim Arbeitgeber oder Betriebsrat!
  • Holen Sie rechtlichen Rat ein!

Sollte ich den Arbeitsplatz wechseln?

Ein Abteilungswechsel kann je nach Fall eine gute Chance sein. "Sinnvoll ist das aber nur, wenn das Opfer dabei durch erfahrene Führungskräfte oder Fachkräfte für das betriebliche Eingliederungsmanagement begleitet wird", rät Dieter Schlund. Das Opfer braucht eine echte Chance und keine weitere Verurteilung.

In anderen Fällen bleibt nur noch der Arbeitsplatzwechsel. So drastisch das zunächst scheint, so vielversprechend ist meist die neue Perspektive: "Von vielen Klienten höre ich, wie froh sie letzten Endes sind, den alten Job aufgegeben zu haben", erzählt der Experte. Unentschlossene sind daher gut beraten, sich folgende Frage zu stellen: "Möchte ich hier bleiben und kann mich wieder wohlfühlen, oder ist mir meine Gesundheit und meine Lebensfreude wichtiger?"

Brauche ich therapeutische Hilfe?

Weil sich Mobbing oft über mehrere Monate erstreckt, geraten viele Betroffene an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit. Ihr Selbstwertgefühl ist angeschlagen, sie trauen sich nichts mehr zu und beginnen zu resignieren. Manche reagieren depressiv und haben sogar Selbstmordgedanken. Wer einmal hier angekommen ist, muss unbedingt die Notbremse ziehen und braucht dringend therapeutische Unterstützung. "Mobbing kann tiefgehende psychische Störungen verursachen – eine Therapie ist daher neben der Mobbing-Beratung eine wichtige Begleitmaßnahme, um die Erfahrungen zu verarbeiten", rät Dieter Schlund.

Wie finde ich einen seriösen Mobbing-Berater?

Einen kompetenten Mobbing-Berater zu finden, ist nicht immer ganz einfach. Schlund warnt vor zweifelhaften Angeboten im Internet. "Nicht wenige versprechen schnelle Hilfe, sind aber nur auf das Geld der Betroffenen aus", so der Pädagoge. Achten Sie auf ein klares Beratungskonzept! Einen guten Berater erkennen Sie daran, dass er sich Zeit nimmt, Referenzen vorweisen kann und sein Honorar einkommensabhängig gestaltet.



Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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