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Was bei Männerfreundschaften anders ist

Zusammen Motorrad fahren, bloß nicht über Gefühle sprechen: Alles nur Klischee? Über die unterschiedlichen Facetten von Männerfreundschaften
von Tanja Pöpperl, 27.04.2016

Gesellig: Männer verbringen ihre freie Zeit gerne mit Gleichgesinnten

Plainpicture/Carsten Görling

"Was Old Shatterhand denkt, das sei auch Winnetous Gedanke, und was Winnetou will, das sei auch der Wille Old Shatterhands" – mit diesen gewichtigen Worten beschrieb Karl May die Blutsbruderschaft seiner beiden Helden, die wohl als berühmteste Vertreter einer intensiven Männerfreundschaft gelten können.

Von einer solchen Verbundenheit bis aufs Blut träumen moderne Männer allerdings weniger. "Da haben sich die Vorstellungen aus vorigen Jahrhunderten bis heute deutlich gewandelt", weiß Karl Lenz, Professor für Mikrosoziologie an der Technischen Universität Dresden. "Bis vor rund 200 Jahren galt das Schließen von Freundschaften noch als rein männliches Privileg, da Frauen an Heim und Herd gebunden waren und äußerst selten Kontakte nach außen knüpfen konnten." Diese exklusive Kameradschaft zwischen Männern wurde gerade im Zeitalter der Romantik oft verklärt betrachtet, nämlich als tiefe, beinahe zärtliche Seelenverwandtschaft, so Lenz weiter.

Professor Karl Lenz

W&B/Privat

Gemeinsam unterwegs

Fragt man Männer der heutigen Zeit, was sie von einer Freundschaft erwarten, geht es weitaus bodenständiger zu: Die meisten wünschen sich, eine unangestrengte, angenehme Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen, ohne dabei ihr Inneres nach außen kehren zu müssen. Darin unterscheiden sich männliche tendenziell von weiblichen Freundschaften: "Emotionen und das subjektive Erleben spielen eine eher untergeordnete Rolle", erklärt der Experte.

Während Frauen Wert darauf legen, mit Freundinnen ihre Befindlichkeiten auszutauschen und offen über ihre Partnerschaften zu sprechen, setzen Männer den Schwerpunkt lieber auf gemeinsame Aktivitäten wie Sport treiben, sich in Vereinen engagieren, ein Hobby pflegen. Die Wissenschaft hat für diesen kleinen Unterschied anschauliche Begriffe gefunden: Frauen agieren mit Freundinnen hauptsächlich "face to face", Männer positionieren sich im Freundeskreis eher "side by side".

Freunde sind Balsam für Körper und Seele

Soziologe Karl Lenz betont dennoch, dass die Abweichungen minimal sind und Freundschaften unabhängig vom Geschlecht einer ganz ähnlichen Dynamik folgen. "Natürlich spielen Männer nicht nur gemeinsam Fußball und schweigen grundsätzlich ihre Gefühle tot", stellt der Experte klar. "Gerade in Krisenzeiten wie dem Ende einer Beziehung profitieren Männer, die sich ihren Vertrauten gegenüber emotional öffnen, enorm von der Unterstützung ihres sozialen Netzwerks und können Kummer und Trauer nachweislich besser überwinden."

Zusätzlich zeigte eine Übersichtsarbeit diverser Studien zum Zusammenhang von guten sozialen Beziehungen und Gesundheit, dass enge Freunde die Chance auf ein langes Leben erhöhen und die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren. Und da gerade Männer unter 65 Jahren laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung noch immer drei- bis viermal häufiger als gleichaltrige Frauen einen Herzinfarkt erleiden, nehmen gute Freundschaften für ihr Wohlbefinden einen besonderen Stellenwert ein.

Professor Markus Heinrichs

W&B/Privat

Vertrauen schützt vor Stress

Loyale Gefährten als Schutzschild gegen die Widrigkeiten des Alltags – auf eine solch essenzielle Funktion weisen auch die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung hin: "Wir setzten Probanden in Tests einem hohen Stresslevel aus. Bei Versuchspersonen, die in der Vorbereitungszeit auf den Stresstest einen engen Freund mitbringen durften, maßen wir eine niedrigere Herzrate und geringere Werte des Stresshormons Kortisol", berichtet Studienleiter Professor Markus Heinrichs vom Lehrstuhl für Biologische und Differenzielle Psychologie der Universität Freiburg.

Der Wissenschaftler und seine Kollegen konnten auch den entscheidenden Faktor der stresslindernden Wirkung von Freunden ausmachen: Die Anwesenheit eines nahe stehenden Menschen aktiviert die Produktion eines Botenstoffs namens Oxytocin, umgangssprachlich als Still- oder Kuschelhormon bekannt. "Dabei handelt es sich evolutionsbiologisch betrachtet um einen sehr alten Botenstoff, der es Menschen überhaupt ermöglicht, Nähe zu suchen und zuzulassen", so Markus Heinrichs. Frauen produzieren von Natur aus deutlich mehr Oxytocin als Männer. Durch eine stabile Partnerschaft oder eben verlässliche freundschaftliche Bande kann das "starke Geschlecht" diese Differenz zum Teil kompensieren und so zwischenmenschliche Beziehungen intensiver gestalten.

Sich öffnen

Wie sehr Männer in den letzten Jahren gelernt haben, sich emotional zu öffnen und soziale Kontakte wertzuschätzen, weiß Heinrichs auch aus der Depressions- und Burnout-Therapie: "Die ältere Generation der Männer zog sich bei Problemen eher zurück, hatte häufiger Probleme mit zu hohem Alkoholkonsum in Krisenzeiten, konnte Schwächen schlecht zugeben und das Bedürfnis nach Unterstützung kaum verbalisieren." Heute gebe es eine viel größere männliche Sensibilität für den eigenen Zustand und ein Bewusstsein dafür, wie wichtig der Austausch mit Familie und Freunden für körperliche und seelische Stabilität sei. Und wenn es doch ab und zu ganz klischeehaft die Motorradtour oder der Angelausflug mit den Kumpels sein muss, ohne große Gefühlsduselei? Dann hat diese Zeit der Ablenkung und des Seele-baumeln-Lassens ebenfalls ihre Berechtigung. Hätte Winnetou und Old Shatterhand sicher auch mal Spaß gemacht…

Glücksfaktor Freundschaft



Bildnachweis: Plainpicture/Carsten Görling, W&B/Privat, Plainpicture / Lisa Krechting

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